Verbesserung des Handlings
Young et al. zeigen in einer Studie auf, wieviel Wert auf Refinement Methoden in Tierversuchslaboren gelegt wird. Das verbesserte Handling (refined handling) sollte keine Möglichkeit sein, sondern Standard im Umgang mit den Tieren. Die Vorteile werden im täglichen Umgang und bei diversen Untersuchungen sichtbar. Zu "refined handling" zählen z.B. Methoden wie "tunnel handling" (Aufheben mit einem Tunnel) und "cup handling" (Aufnahme in einer zur Schüssel geformten Handflächen).1
Das R des Refinements spielt bei Tierversuchen eine sehr wichtige Rolle. Unter Refinement versteht man Maßnahmen zur Reduzierung oder vollständigen Vermeidung von Disstress, der per Definition lang anhaltender und schwerer Stress ist. Zu den Mitteln, die zur Erreichung dieses Ziels eingesetzt werden, gehört die Haltung der Tiere in einer artgerechten Umgebung, die es ihnen ermöglicht, ihre Bedürfnisse auszuleben, aber auch die Handhabung, insbesondere die Handhabungsmethoden. Auch ein angemessenes Schmerzmanagement fällt in den Bereich des Refinements.2
Young et al. führten im Rahmen einer Studie über das "refined handling" von Versuchstieren eine Umfrage unter Labortierhaltungen durch. Ihr Ziel war es, einen Überblick darüber zu erhalten, inwieweit tierfreundliche (verfeinerte) Methoden wie Tunnel-Handling und Cup-Handling anstelle von Tail-Handling (Aufnehmen am Schwanzansatz) angewandt werden und was die Beweggründe für das Beharren auf Handhabungsmethoden sind, die den Tieren wissentlich Stress und Unbehagen oder sogar Leiden verursachen würden. Zu diesem Zweck wurden 261 Personen in verschiedenen Positionen, wie Tierärzt*innen, Manager*innen, Tierpfleger*innen, Wissenschaftler*innen usw., zu ihrem Wissen, ihren Wünschen, Meinungen und Methoden auf persönlicher und institutioneller Ebene befragt. Es wurden sowohl qualitative, offene Fragen gestellt als auch Fragen, die quantitativ bewertet werden sollten. Das Ergebnis war alarmierend: Nur 3 % der Mäuse (14.300 Tiere) befanden sich in Einrichtungen, in denen nur verfeinerte Behandlungsmethoden erlaubt waren. Bei 97 % der Tiere (540.022) wurden nur Methoden wie das Schwanzhandling angewandt.3
Was sind die Gründe dafür, dass statt einer tiergerechten Behandlung die Methode gewählt wird, die zu mehr Stress führt? Nach den Ergebnissen der Umfrage liegt das nicht an mangelndem Wissen über bessere Haltungsmethoden. Die deutliche Mehrheit wüsste sogar um die Vorteile des Cup- oder Tunnelhandlings und dass nicht nur die Tiere, sondern auch die Menschen und die Qualität der Forschung davon profitieren würden. Weniger verbreitet sei jedoch das Wissen, dass verfeinerte Handhabungsalternativen für Mäuse aller Altersstufen und Stämme geeignet seien und einen nachhaltigen und lang anhaltenden positiven Effekt auf die Versuchstiere hätten. So wirkt sich der tierfreundliche Transfer des Tieres aus dem Käfig auch positiv auf nachfolgende Tätigkeiten, wie die Blutentnahme, aus.3
Weitere Gründe, die neben dem oben erwähnten Missverständnissen bzw. der bestehenden Wissenslücken die Einführung von Tunnel- und Cuphandling verhindern würden, wären der fehlende Druck auf der fachlichen Ebene, die fehlende Unterstützung durch die Entscheidungsträger im Unternehmen, die zusätzlichen Kosten, die durch die Anschaffung der Tunnel entstehen würden, oder die Angst vor einem zusätzlichen Zeitaufwand durch die erforderliche Schulung. Während die ersten drei Gründe berechtigt sind, kann der letzte durch die Erfahrung widerlegt werden. Die Zeit, die in die Ausbildung investiert werden müsste, würde später im täglichen Einsatz eingespart.3
Doch wie können Wissenschaftler*innen noch erreicht und davon überzeugt werden, dass ein verbesserter Umgang mit Tieren keine Option, sondern der Standard sein sollte? Young et al. betonen, dass noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten ist, um bestehende Wissenslücken zu schließen und Missverständnisse auszuräumen. Neben dem Wissenstransfer wäre es auch sinnvoll, Schulungen und Fortbildungen vor Ort anzubieten. Regionale Non-Profit-Organisationen würden bei der Erreichung dieses Ziels eine wichtige Rolle spielen.3
Die Studie von Young et al. zeigt, dass im Bereich des Refinements ein großer Verbesserungsbedarf besteht. Es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen, der im Versuchstierbereich arbeitet, auf Missstände aufmerksam zu machen und sich für den Tierschutz einzusetzen.
Quellen:
1) RL 2010/63/EU The Principles of Humane Experimental Technique. By W. M. S. Russell and R. L. Burch; 1959.
2) Zurlo J, Hutchinson E. Refinement. ALTEX. 2014;31(1):4-10. doi: 10.14573/altex.1312191 . PMID: 24448759 . https://www.duden.de/rechtschreibung/Disstress; Zugriff am 28.09.2023
3)Young L, Goldsteen D, Nunamaker EA, Prescott MJ, Reynolds P, Thompson-Iritani S, et al. (2023) Using refined methods to pick up mice: A survey benchmarking prevalence & beliefs about tunnel and cup handling. PLoS ONE 18(9): e0288010. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0288010
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