Kein Grund für Schmerzen
In einigen Bereichen ist der Einsatz von Tieren zur Forschung an diversen Fragestellungen immer noch unersetzlich. Solange dies der Fall ist muss aber in jedem Fall dafür gesorgt werden, dass „Schmerzen, Leiden, Ängste oder dauerhafte Schäden ausgeschaltet oder auf ein Minimum reduziert werden“.
Somit besteht die gesetzliche Vorschrift (RL 2010/63/EU) zum Erhalt der physischen und psychischen Gesundheit der Versuchstiere. Auch das Prinzip des Refinements, einem der 3R im Tierversuchsbereich, sieht es vor maximales Tierwohl zu garantieren, was durch eine möglichst artgerechte Haltung, einem tierfreundlichen Umgang und sonstige Maßnahmen, welche zum Wohlbefinden der Tiere beitragen, erreicht werden kann. In manchen Versuchen werden Tiere schmerzhaften Prozeduren ausgesetzt. Um das damit verbundene Leid zu verhindern muss für eine geeignete Analgesie und in einigen Fällen auch Anästhesie, gesorgt werden. Die Erkennung von Schmerzen und die Behandlung dieser Schmerzen stellt einen zentralen Punkt im Tierversuch da und setzt ein profundes Wissen und Erfahrung voraus. Da Tiere nicht dazu fähig sind verbal ihre Schmerzen zu kommunizieren, sind Forscher*innen darauf angewiesen mittels Erfassung klinischer Symptome oder Änderungen im speziesspezifischen Verhalten Rückschlüsse auf die Schmerzhaftigkeit zu ziehen und somit festzustellen, ob eine Analgesie benötigt wird. Voraussetzung dafür ist selbstverständlich die Kenntnis über den Normalzustand der Tierart. Abnormale Bewegungen, ein veränderter Gesichtsausdruck oder Vokalisation im Ultraschallbereich wären Beispiele für typische Verhaltensmuster, welche Schmerzen bei Nagern signalisieren. Graben, das Bauen von Nestern oder Fellputzen wären Indizien für das Wohlergehen von Nagetieren. Zur Unterstützung bei der Erfassung sämtlicher Symptome und Verhaltensmuster dienen Score Sheets. Diese Protokolle sind an die betreffende Tierart und den geplanten Versuch angepasst. Sie verfügen über ein Punktesystem, welches darüber entscheidet, ob beispielsweise eine Analgesie oder sonstige Interventionen von Nöten sind. Weitere Informationen hierzu finden Sie in unserem Beitrag über Score Sheets. Eine adäquate Schmerztherapie setzt ein pharmakologisches Wissen sowie die Kenntnis, über die verwendete Spezies voraus. Somit muss geprüft werden, welche Pharmaka für die betreffende Art oder sogar den Stamm eingesetzt werden können. Außerdem muss bedacht werden, ob das Analgetikum für den jeweiligen Versuch geeignet ist oder einen Einfluss auf Ergebnisse haben könnte. Die Wirksamkeit der Analgesie muss ebenso stets, beispielsweise mit Hilfe von Score Sheets, überprüft werden. Zusätzlich zur pharmakologischen Schmerzbehandlung gibt es weitere Methoden um Schmerzen und Stress zu reduzieren. Dabei spielen zum Beispiel Faktoren wie Handling, die Haltung und Umgebung der Tiere, aber auch die verwendeten Operationsmethoden, eine große Rolle. Zur Erstellung eines auf das Modell abgestimmten Analgesieprotokolls dienen zahlreiche Quellen im Internet. Ebenso ist es ratsam Expert*innen, wie Tierärzt*innen aus dem Labortierbereich oder andere erfahrene Personen, zu Rate zu ziehen, um für ein geeignetes Schmerzmanagement zu sorgen.
Weitere Informationen zum Thema Analgesie sowie Dosierungstabellen finden Sie unter anderem in folgenden Quellen:
- GV- Solas- Schmerztherapie bei Versuchstieren
- IACUC - Guidelines Analgesia
- PennState University - Pain Recognition and Analgesia in Laboratory Animals
- Norecopa - Analgesia
- Flecknell, P. A., & Thomas, A. A. (2015). Comparative anesthesia and analgesia of laboratory animals. Veterinary anesthesia and analgesia: the fifth edition of Lumb and Jones, 754-763.
Quellen:
RL 2010/63/EU https://www.gv-solas.de/wp-content/uploads/2020/09/Schmerztherapie-bei-Versuchstieren_2020.pdf (Zugriff 29.08.2023)
https://animal.research.uiowa.edu/iacuc-guidelines-analgesia (Zugriff 29.08.2023)
Biomodellen (The 3R Society)
Postfach 0014
A-8036 Graz


